Gedanken einer BE-Lehrerin...

Es ist spannend, das Mienenspiel der passierenden Menschen zu beobachten. Sie gehen an uns vorbei, sie schauen uns verwirrt an.

Sie sehen in unsere bemalten Gesichter und haben das Gefühl, es mit einen Haufen Verwirrter zu tun zu haben: Wieder nur eine dieser alternativen Percussion-, Kunst- oder Sonstwas- Truppen, die wohl zur einzigen Szene gehören, die sich um 5 Uhr Nachmittags bei bereits eingekehrter Dunkelheit und leichtem November-Niesel auf den Stephansplatz stellen, um ihre Kunst mit der Welt zu teilen.

Ich schaue in die Gesichter meiner bemalten SchülerInnen, die zu meiner Linken in einem Halbkreis vor einer kleinen Schachtel posieren, die den stolzen Schriftzug „Art Alive“ trägt. Sie schauen müde aus, allesamt. Kein Wunder, denn um diese Zeit könnten sie eigentlich schon zu Hause sein und in die wohlige Wärme einer Decke eingerollt Kakao schlürfen. Eine fiktive, jedoch äußerst idyllische Szenerie, die nur von den lauernden Blicken des Biologie-Heftes gestört würde, das sie daran erinnern würde, dass sie morgen eigentlich einen Test zu schreiben haben.

Dennoch: Sie sind alle hier bei mir am Stephansplatz, der in der abendlichen Novemberkälte eine etwas ungastliche Seite von sich zeigt. Ich bin stolz auf meine Klasse, die gerade in diesem Moment unglaublichen Mut beweist, um mit mir gemeinsam eine besondere Erfahrung zu machen und die Reaktionen zu beobachten, die Kunst im öffentlichen Raum hervorrufen kann.

Eckdaten:

Am 16. November führten die SchülerInnen der 5B eine öffentliche Aktion im Zuge des des BE-Unterrichts durch, bei der sie sich einerseits selbst als „lebendige Kunstwerke“ präsentieren bzw. positionieren, und andererseits die Reaktion der passierenden Menschen auf sie selbst beobachten konnten.

Am Beginn der geblockten Einheit machten sich die SchülerInnen im Rahmen des Themas „Bodypainting“ daran, ihre Gesichter kunstvoll zu bemalen. Ausgestattet mit allerlei Material, das ebenfalls für die „Präsentation“ am Stephansplatz gebraucht wurde, machte sich die Gruppe anschließend gemeinsam mit ihrer Lehrerin Mag. Stumbauer auf den Weg, um schließlich zentral auf dem Stephansplatz Position zu beziehen.

Die etwa 5-10-minütige Aktion ließ die SchülerInnen nicht nur eine gewisse Hemmschwelle überschreiten, sondern auch die Erfahrung machen, was es bedeutet, wenn die eigene Kunst den Klassenraum verlässt und auf ihre Mitmenschen trifft. Die Reaktionen der Passanten bedienten sich einer großen Vielfalt und reichten von etwas unerfreulichen Aussagen („heast, wie schaustn du aus“), über freundliches Schmunzeln bis hin zu Komplimenten und großem Staunen. Erstere Reaktion wurde übrigens ruhig quittiert und schlagfertig kommentiert (Danke, liebe Gwen.)

Der aufregende Nachmittag wurde anschließend mit einer heißen Tasse Kaffee abgerundet, der das Verharren in der Kälte zwischen der am Stephansplatz herumeilenden Menschenmenge hoffentlich etwas kompensiert hat.

Bodypainting

Bodypainting

Bodypainting

Bodypainting

Bodypainting

Bodypainting

Bodypainting

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Bodypainting

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